30 Jahre Rosenheimer Erklärung

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Bildrechte: Alexander Hauk, pixelio.de

30 Jahre selbstverantwortetes Frauenleben

Eine wegweisende Entscheidungshilfe der Evangelischen Landeskirche für Frauen – unterstützt von Frauen, auch von den Evangelischen Frauen in Bayern (EFB)

Die Erklärung der Synode in Rosenheim am 11. April 1991 befasste sich mit dem heftig diskutierten und in der gesellschaftspolitischen Debatte strittigen Thema des Schwangerschaftskonflikts und Schwangerschaftsabbruch. Das Bekenntnis der Kirchen zum Schutz des geborenen und ungeborenen Lebens stand im Widerspruch zum Schutz der Frauen, die in ihrer spezifischen Konfliktsituation oder Notlage über eine Fortsetzung oder Beendigung der Schwangerschaft  letztendlich nur selber entscheiden können. In dieser komplexen Werteabwägung wurde ein Satz als ethische Entscheidungshilfe gefunden, der sowohl dem christlichen Glauben als auch der Verantwortung des Individuums gerecht wurde, ohne das Thema der damit verbundenen Schuld auszuklammern:
 „…in Konfliktsituationen kann die letzte Entscheidung der betroffenen Frau von niemandem abgenommen werden; sie muss sie in Verantwortung vor Gott treffen“.

Unterstützt und mitgetragen wurde diese Rosenheimer Erklärung von Frauen und Frauenorganisationen, die sich als Fürsprecherinnen dieser Haltung sahen. Ihr Blick richtete sich auf die Frau als Handelnde und nicht als passiv Erduldende. Feministisch gesehen wollten sie auf keinen Fall, dass in einer Konfliktsituation der Mann oder Dritte gegen den Willen der Frau entscheiden. “Mein Bauch gehört mir“, dieses Schlagwort der Frauenbewegung fand hier eine vom Glauben getragene differenzierte Ausformulierung. Gleichzeitig wurden von den Frauenorganisationen zum Schutz sowohl des geborenen als auch des ungeborenen Lebens umfassende sozialpolitische Maßnahmen gefordert. Schon 1974 hatte sich die EFB mit dem brisanten Thema des Paragraphen 218 beschäftigt. Auf einer Mitgliederversammlung sprach sich Käthe Rohleder, Vikarin und später Pfarrerin, für flankierende Maßnahmen in der Kirche aus und Barbara Bachmann vom Amt für Industrie-und Sozialarbeit sah in der Empfängnisverhütung und Aufklärung einen der wesentlichen begleitenden Schritte.