Information hoch drei: Rundfunktagung der EFB im Studio Franken des BR
Die Zukunft hat begonnen. Davon konnten sich die Teilnehmerinnen der 48. Rundfunktagung der Evangelischen Frauenarbeit Bayern (EFB) im Studio Franken des Bayerischen Rundfunks (BR) überzeugen. Hier produzieren seit Oktober letzten Jahres im sogenannten Aktualitätenzentrum Redakteure und Redakteurinnen Nachrichten für Hörfunk, Fernsehen und Online. Was bisher getrennt geschah, verläuft nun in enger Zusammenarbeit – eben „BR hoch drei“, wie auch das Thema der Tagung lautete.
Der Bayerische Rundfunk befindet sich im Veränderungsprozess. Wie genau dieser verläuft, erläuterte Prof. Dr. Dr. Birgit Spanner-Ulmer über 60 interessierten Frauen aus den Mitgliedsverbänden der EFB. Die Direktorin für Produktion und Technik des Bayerischen Rundfunks konnte nicht nur durch fundiertes Fachwissen glänzen, sondern begeisterte auch mit ihrer Vita. Sei es an der TU München, wo sie promoviert, an der Katholischen Universität in Eichstätt, wo sie sich habilitiert, bei Audi, wo sie als Wirtschaftsingenieurin in der technischen Entwicklung gearbeitet hat, oder an der TU in Chemnitz – überall ließ man die Frau, die so viel Sachkompetenz, Begeisterung und Charme ausstrahlt, ungern gehen. Doch im Januar 2012 wurde sie als erste Frau in die Direktion der Rundfunkanstalt berufen. „Die Freude bei uns Frauen war besonders groß, dass wir endlich eine Frau im fünfköpfigen Direktorium hatten – und dann auch noch auf einem technischen Posten“, sagte Elke Beck-Flachsenberg, die in ihrer Funktion als Vertreterin der evangelischen kirchlichen Frauenorganisationen im BR-Rundfunkrat die Tagung leitete.
Als Prof. Spanner-Ulmer von ihrer Arbeit erzählte, wurde es mucksmäuschenstill im Raum. Sie schaffte es, komplexe Dinge einfach zu erklären. Den Rücktritt des Papstes habe sie mit größter Aufmerksamkeit verfolgt, erklärte sie beispielsweise. Und zwar nicht nur, weil die gebürtige Eichstätterin katholisch ist. Als Produktions- und Technikdirektorin zeichnet sie beim Bayerischen Rundfunk (BR) für die Übertragung verantwortlich.
Ganz Deutschland schaute auf die Bilder, die der BR vom Petersplatz lieferte. Denn Rom ist Standort des Bayerischen Rundfunks im Verbund der ARD-Korrespondenten. „Das war eine große Herausforderung für uns. Die Korrespondenten in Rom arbeiteten rund um die Uhr”, so Spanner-Ulmer.
Mit der Einweihung des Aktualitätenzentrums (AktZent) war das Studio Franken Vorreiter in Sachen Digitalisierung. In München soll in den nächsten Jahren in noch viel größeren Dimensionen neu gebaut werden. Die neue Technik und steigender Kostendruck würden eine Konzentration erforderlich machen, so die Direktorin. Bis 2023 soll Unterföhring verkauft, Freimann zum Zentrum ausgebaut und das Funkhaus für regionale Berichterstattung, BR-Klassik und für Veranstaltungen genutzt werden.
Wie sich der rasante Wandel der digitalen Medienwelt auf den Bayerischen Rundfunk sowie auf Zuhörerinnen und Zuschauerinnen auswirkt, erläuterten die Leiter der Produktionstechnik Hörfunk und Fernsehen, Ulrich von Haller und Jutta Paul. Die so genannte Trimedialität (Hörfunk, Fernsehen, Online) berge neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen. Mit der Einrichtung des AktZent hat sich der BR dafür gut vorbereitet. Rund 40 Rdedakteure arbeien in dem neu eingerichteten Großraumbüro, das auch das Archiv und die Sprecherkabine für die jeweils zur halben Stunde auf Bayern1 gesendeten Regionalnachrichten integriert hat.
In drei Gruppen besichtigten die 60 Teilnehmerinnen nacheinander das Herz der Nachrichtenredaktion, das alle drei „Ausspielwege“ bedient. Da niemand genau wisse, wie sich die verschiedenen Medien in Zukunft noch verändern würden, sei auch bei der Konzeption der Arbeitsplätze Flexibilität das oberste Gebot gewesen, erklärte Produktionsleiterin Jutta Paul. Sie machte den Tagungsteilnehmerinnen Lust auf die neue Mediathek des BR, die ab Herbst 2013 online zur Verfügung stehen und dann noch umfassender und nutzerfreundlicher sein soll.
“Wenn die Zukunft nicht nur begonnen hat, sondern auch voranschreiten soll, dann braucht der BR für seinen Veränderungsprozess als vernetztes Unternehmen kreative Köpfe und trimediales Denken”, so das Fazit von Elke Beck-Flachsenberg. “Nicht die Verbreitungswege, sondern die Inhalte stehen im Mittelpunkt. Und dazu braucht es Technik aus einer Hand.”