Zum 9. Mal fand eine gemeinsame Tagung der evangelischen und katholischen Frauenverbände in der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) statt. Am 29. April 2026 widmeten sich die zahlreichen Teilnehmerinnen aus ganz Bayern der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des privaten Rundfunks in Bayern.
Die Medienrätinnen Ulla Kriebel (Arbeitsgemeinschaft Katholischer Frauen Bayerns) und Katharina Geiger (Evangelische Frauen in Bayern) eröffneten die Veranstaltung „Herkunft verstehen – Gegenwart gestalten – Zukunft mit KI denken“ mit einem Rückblick auf zahlreiche gemeinsame Tagungen. Die Themenvielfalt zeigte, wie intensiv sich die Verbände mit Wertefragen, Entwicklungen und Herausforderungen des privaten Rundfunks auseinandersetzen – stets aus der Perspektive der Nutzerinnen.
BLM-Präsident Dr. Thorsten Schmiege gab anschließend einen Überblick über 40 Jahre BLM und aktuelle medienpolitische Fragen. Er betonte die Besonderheit Bayerns, da hier der private Rundfunk verfassungsrechtlich in öffentlicher Trägerschaft organisiert ist. Ein Film verdeutlichte die Entwicklung der Rundfunklandschaft: Während früher Frequenzzuteilungen zentral waren, stehen heute Fragen der Sicherung von Meinungsvielfalt im Vordergrund. Sparmaßnahmen in Redaktionen und der wachsende Anteil der Onlinewerbung – inzwischen rund 50 Prozent – gefährden die Vielfalt privater Angebote. Dr. Schmiege plädierte für einen neuen Rechtsrahmen, der gleiche Anforderungen für Rundfunk- und Onlinewerbung schafft.
Ein weiteres Thema war die Auffindbarkeit relevanter Informationsangebote im Netz. Für demokratische Meinungsbildung müsse gewährleistet sein, dass journalistische Inhalte in Empfehlungslogiken sichtbar bleiben. Seit sechs Jahren umfasst das Aufgabenfeld der BLM auch Telemedien, Plattformen und Online-Angebote – ein Bereich, der stark gewachsen ist. Zudem stellte Dr. Schmiege die Frage, wie KI reguliert werden kann, wenn jede Person zum Medienanbieter werden kann und Inhalte nicht immer verlässlich recherchiert sind. Beim Thema Social-Media-Verbot sprach er sich für eine differenzierte Betrachtung und mehr Verantwortung der Plattformen aus.
Im zweiten Teil stellte Regina Deck, stellvertretende Bereichsleiterin der BLM, die Studie „Lokaljournalismus und Demokratie!“ vor. Sie zeigte, dass lokale Medien für viele Menschen eine demokratische Öffentlichkeit schaffen: Sie informieren über Entwicklungen vor Ort, stärken regionale Verbundenheit und ermöglichen Teilhabe. Gleichzeitig kämpft der Lokaljournalismus mit sinkender Aufmerksamkeit jüngerer Zielgruppen und schwieriger Finanzierung. In Bayern sei die Lage zwar stabiler, aber keineswegs selbstverständlich.
Am Nachmittag stand das neue KI-Reallabor im Mittelpunkt, das von der Bayerischen Staatskanzlei gefördert und von Medien.Bayern GmbH und BLM betrieben wird. Es bietet Medienhäusern einen geschützten Raum, um KI-Anwendungen kostenlos unter realen Bedingungen zu testen. Zwei Prototypen wurden vom Gesamtleiter des KI.M, Jim Sengl, vorgestellt: ein KI-Reiseberater, der auf Verlagsinhalten basiert und auch Dialekte sicher erkennt, sowie ein KI-gestütztes Archivsystem für München Live TV, das den Zugriff auf umfangreiche – noch nicht digitalisierte - Bestände ermöglicht. Dessen Geschäftsführer Horst Rettig berichtete von der praktischen Umsetzung solch eines KI-Werkzeuges, mit dem „alte Schätze“ des Senders wiederverwendet werden können. Zum Abschluss konnten die Teilnehmerinnen das Reallabor besichtigen.
Die Einblicke in Medienpolitik, Lokaljournalismus und KI an diesem Informationstag unterstrichen, dass die Zukunft des privaten Rundfunks nur im Zusammenspiel von technischer Innovation, klaren Regeln und gesellschaftlicher Verantwortung gelingen kann.
Katharina Geiger (EFB) und Ulla Kriebel (AG Kath.)
Bildunterschrift: vlnr. Katharina Geiger, Dr. Thorsten Schmiege, Ulla Kriebel